And after all

you are my wonderwall

cause maybe,

you are gonna be the one that saves me

Oasis.

Es ist Nacht. Immer wenn sie an ihn denkt, ist es Nacht. Aber nicht immer wenn es Nacht ist, denkt sie an ihn.

Es gab eine Zeit, da hat es für sie keinen Unterschied gemacht, ob die Sonne schien, oder der Mond. Da war er immer in ihren Gedanken. Es war die Art von Gedanken, zu denen man immer wieder zurückkehren kann. Etwas, das man nie ausdenken kann, ein endloser Gedankengang, aber nie das Selbe. Vielleicht konnte sie nicht anders als an ihn zu denken, weil sie ihn jeden Tag sah. Morgen für Morgen, und sie fürchtete sich davor, sich daran zu gewöhnen, aber es wurde Gewohnheit und blieb für sie trotzdem so besonders.

Und dann kam eine Zeit, in der hatte sie gelitten wie noch nie. Ihr Körper wollte sich entgiften, wollte ihn, der sich schon überall breit gemacht hatte, loswerden. In dieser Zeit verdrängte sie alles, was sie je über ihn gedacht hatte. Jedes Wort, das sie mit ihm gesprochen hatte, verbannte sie aus ihren Ohren. Dabei war ihr jedes einzelne Wort so kostbar gewesen.

Was sie dazu getrieben hatte? Sie wusste es selbst nicht genau. Vielleicht der Druck der anderen, es endlich zu tun. Nach so langer Zeit. Vielleicht der Wunsch nach Freiheit, Ungebundenheit, Überlegenheit. Gehen, bevor man gehen muss. Verlassen, bevor man rausgeschmissen wird.

Am Anfang sind die Nächte voller Helligkeit, und sie genießt es. Sie vergisst, dass der Himmel dunkel sein muss, damit die blinkenden Sterne zum Vorschein kommen. Tagsüber lacht sie laut und hell, und nachts schläft sie. In ihrem Leben ist kein Platz mehr für ihn. Sie hat alles umgekrempelt und nach drei Jahren aufgehört, einer Illusion nachzugehen. Sie ist stolz auf sich, und sie ist stark.

Sie ist so lange stark, bis die Nacht wieder beginnt, dunkel zu werden. So lange, bis sie die Sterne erinnern, das sie da sind und leuchten, und das sie auch in der Nacht geleuchtet haben, in der sie noch genau diesen einen Wunsch hatte: Ihn. Ihn zu fassen, ihn den ganzen Tag über reden zu hören und sehen zu dürfen. Sie kann die Augen nicht länger schließen. Sie liegt wach. Sie denkt zurück an die Zeit, in der sie es sich selber noch erlaubt hat, an ihn zu denken. Das ist vorbei. Sie darf es nicht. Sie war so lange stark, sie darf es nicht wegwerfen. All die Monate, die sie schon ohne den Gedanken an ihn ausgehalten hat.

Man sagt: nachts sind alle Katzen schwarz. Nachts machen die Gedanken keinen Unterschied, egal worum sie sich drehen. Nachts wird nichts von der Sonne beleuchtet. Nachts, wenn keiner da ist, der ihr die Sehnsucht im Gesicht oder die Tränen i den Augen ansehen könnte, wirft sie ihre Bedenken über Bord. Dann denkt sie an ihn. Kein Versuch mehr, es zurück zu halten. Sie beginnt zu weinen, weil sie nicht versteht, wie trotz der radikalen Ausmistaktion so viel von ihm in ihr übrig bleiben konnte. Sie versteht es einfach nicht.

„Hör zu“ sagt Gott da zu ihr. „Du versuchst jetzt, von ihm abzulassen, auch wenn du gerade lieber sterben würdest, als das zu tun. Aber dafür verspreche ich dir auch etwas.“ „Was wirst du mir versprechen, was mir den Schmerz nehmen kann?“ fragt sie. Sie kann es sich nicht vorstellen.

„Ich verspreche dir, dass, wo immer du auch sein magst, ein Stück deiner Seele mit ihm gefüllt sein wird, für den Rest deines Lebens. Was immer du auch tust, du wirst ihn nie vergessen, weil er immer in dir sein wird. Du kannst nichts tun, um die Ecke in dir loszuwerden, die in den Wochen und Jahren seine geworden ist. Aber wenn du willst, kannst du den Rest von dir jetzt frei machen. Frei und glücklich für alles Neue, was noch kommt. Das wird nicht einfach. Du wirst weinen, weil er dir fehlt, und es wird dir das Herz brechen, ihn mit einer anderen zu sehen.

Aber eines Tages stehst du am Ende deines Lebens, und du wirst zurückschauen auf so viel Glück. Und du wirst bemerken, dass du ihn in der ganzen Zeit nie vergessen hast. Es hat seine Gründe, dass du dich in ihn verliebt hast. Du warst nie ohne ihn, wenn du irgendwann gehst. Er war immer in dir, ja vielleicht sogar schon als du ihn noch nicht einmal kanntest. Das war mein ganz besonderer Plan für dich. Aber mein Plan war nicht, dich unglücklich zu machen. Ich kann ihn dir nicht aufzwingen oder dafür sorgen, dass er dich küsst und bis zum Ende für dich da ist. Aber ich kann ihn in deiner Seele behalten, damit du in dunklen Zeiten ein Licht in dir hasst, das genau so hell scheint wie seine Haare in der Sonne.“

„In Ordnung.“ sagt sie.

„Gut. Versprich mir, dass du es versuchst, und ich verspreche dir, er wird immer in dir sein.“

Das hat alles geändert. Wenn sie ganz ehrlich ist, weiß sie jetzt, dass sie ihn nie, niemals ganz aus sich heraus kriegen wird. Er wird immer in ihr sein, und die Nacht wird für immer ihm gehören. Vielleicht ist es nicht einmal so falsch, Gedanken für den Tag, und Gedanken für die Nacht zu haben.

Man muss eigentlich nur wissen, welche einem wichtiger sind.

Mein Name ist Tabitha Anna und ich bin 22 Jahre alt. Ich komme aus dem Süden von Baden-Württemberg und liebe es, zu lesen, zu schreiben und zu reisen. Seit Oktober 2019 studiere ich deutsche und italienische Sprach- und Literaturwissenschaft in Freiburg im Breisgau.