Oh wie schön ist Panama | Backpacking in Zentralamerika

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In Panama ist alles viel schöner, weißt du. Denn in Panama riecht es von oben bis unten nach Bananen. Panama ist das Land unserer Träume, Tiger.“ 

– Janosch, „Oh wie schön ist Panama“


Ich war vom dritten bis zum 28. Januar 2019 in Panama, dem schmalsten Land Zentralamerikas. Ich hatte die Chance, das Land sehr intensiv kennenzulernen und der Frage auf den Grund zu gehen, wie schön Panama wirklich ist. Dabei bin ich auf Antworten gestoßen – und auf hunderte weitere Fragen dazu.

Bienvenido a Panamá

Border Crossing ist ein Begriff, den ich noch nie aktiv benutzt habe. Was daran liegt, dass „Border Crossing“ in meinem bisherigen Leben darin bestanden hat, freudig aus dem Fernbusfenster zu sehen, wenn das Schild mit „Republik Österreich“ oder „Repubblica Italia“ vorbeizieht. Wahlweise hätte ich auch schlafen, essen oder meinen Reisepass zuhause vergessen haben können. Was wir an der Europäischen Union und dem Schengenraum haben, schätzen wir manchmal erst, wenn wir sehen, wie es anderswo abläuft.

Zwischen Costa Rica und Panama bedeutet Border Crossing: mit dem Bus bis zum Grenzgebiet, dann mit dem Gepäck bis zur Taxes Stelle laufen. Dort müssen um die 8 Dollar Exit Taxes bezahlt werden, bevor es zu Fuß weiter zur nächsten Exit Stelle geht. Ist der Reisepass erneut abgestempelt (fragt mich nicht womit, ich bin grundsätzlich nur hinterher gelaufen und habe alles gemacht was die anderen gemacht haben), läuft man über eine lange Brücke und – sorpresa – befindet sich in Panama. An einer weiteren Behördenstelle bekommt der Reisepass den Panama Stempel und man muss Fingerabdrücke abgeben. Ein Vorgang, der uns rund 3 Stunden gekostet hat, während in Europa binnen zwei Sekunden alles vorbei ist. Wenn ich an den steigenden Nationalismus, die diversen Exit Verhandlungen und die zunehmenden Grenzkontrollen auch in Deutschland denke, bin ich mir nicht sicher, inwiefern wir das Privileg der EU und des Schengenraums noch wertschätzen.

Oh wie schön ist Panama?

Mir hat der lange Prozess der Boarder Crossings geholfen, den Übergang von Costa Rica nach Panama sehr bewusst zu erleben. Das nördliche Grenzgebiet von Panama ist wirtschaftlich und finanziell sehr schwach, die Häuser sind einfach und die Menschen leben in ärmlichen Verhältnissen. Auf der Busfahrt zur Grenze hat Ernyk gesagt: Achtet darauf, ob euch etwas auffällt, wenn wir in Panama ankommen. Er hat seine Gründe gehabt, und ich sehe, wie er uns auf der Fahrt zum Hafen beobachtet und die Reaktion in unseren Gesichtern sucht.

Was mir – in diesem Moment und auf dem Rest meiner Reise- am allermeisten auffällt: der Müll. Müll ist ÜBERALL in Panama. Auf den Straßen, auf Rasenflächen, am Strand. Dieses Land hat ein unglaublich großes Müllproblem, das auf Bildern nur zu erahnen ist.

Nach vielen Gesprächen verstehe ich: die Mentalität der Panamesen unterscheidet sich grundlegend von unserer, und das hat gute und schlechte Folgen. Panama wird nicht umsonst als eines der glücklichsten Völker bezeichnet, das konnte man hier tatsächlich spüren. Ein großer Bestandteil dieser Glücklichkeit ist es, Probleme auf die lange Bank zu schieben und sich auf das Gute, und nur das Gute zu fokussieren. Deswegen beschweren sich viele Panamesen sehr viel weniger über Herausforderungen und Schwierigkeiten, als es höchstwahrscheinlich wir tun würden. Deswegen verstehen sie uns in unserem Höher-Schneller-Weiter und dem Konsumwahn nicht. Aber deswegen bekommst du in jedem Supermarkt auch eine Plastiktüte in die Hand gedrückt, von jemandem der extra dafür arbeitet, egal ob du fünf Einzelpackungen gekauft hast oder eine Schokoladentafel, und auch wenn du sagst, dass du eine Tasche dabei hast. Nicht nur die Einkaufstüten, auch ungefähr alles andere ist Plastik, doppelt und dreifach verpackt und genau einmal benutzbar. Pfandsystem und Mülltrennung – in Panama sind das Fremdwörter. Für mich war das ein Kulturschock, aber ich habe dadurch auch verstanden, worauf es ankommt. Nämlich auf eine Regierung, die Beschlüsse wie das Pfandsystem oder das Verbot von Plastiktüten durchsetzt. Denn ich bin ehrlich, hätte ich nach wie vor die Möglichkeit einer kostenlosen Tüte, würde ich sie nutzen, jedes einzelne Mal. Erst durch das Verbot ist mir klar geworden, wie gering der Aufwand ohne ist, und wie groß der Effekt für die Umwelt. Ich will deswegen nicht die Menschen in Panama pauschal verurteilen, denn viele wünschen sich ähnliche Systeme wie in Europa. Vielmehr habe ich gelernt, das hinter einem Problem oft eine noch viel größere Ursache steckt, wie eben eine Mentalität, in der aktive Problemlösungen und Umweltbewusstsein nicht viel Platz haben.

Ist Panama also so schön, wie es der Tiger und der Bär in Janoschs „Oh wie schön ist Panama“ beschreiben? „Panama ist so ein schönes Land!“ sage ich zu jedem, der mich nach meiner Reise fragt. Und das stimmt auch. Aber wenn man ein Land bereist, sieht man zwangsläufig auch die Schattenseiten. Ich habe nicht mal Bilder davon auf meiner Kamera – weil wir wohl dazu tendieren, nur das Schöne festzuhalten. Im Gedächtnis behalte ich wohl beides, und so ist das im Leben. Es gibt nie nur gut oder nur schlecht. Ende der Geschichte.

Vegetari – qué?

Hier eine kleine Zusammenfassung darüber, was in Panama gegessen wird:

  1. Hühnchen
  2. Hühnchen
  3. Yuka, Reis mit Bohnen
  4. Mit circa fünf Glasuren überzogene Zuckerkuchen, -kekse und Donuts
  5. Hühnchen

Ich – Vegetarierin since 2009 – bin es wirklich gewohnt, mir Alternativen zu suchen und Verzicht zu üben. Ich bin immerhin auf der Schwäbischen Alb großgeworden (mehr oder weniger groß zumindest) , wo Gulasch, Leberkäswecken und Saitenwurst praktisch Grundnahrungsmittel sind. In Panama nimmt der ganze Vegetarismus – Spaß allerdings ganz andere Dimensionen an.

In Zentralamerika ist der Vegetarismus sehr viel weniger verbreitet und akzeptiert als in Europa. Viele kennen nicht einmal das Wort, und allzu oft hat sich folgendes Gespräch ereignet:

Ich: „Usted tiene algo sin carne?“ (= Haben Sie ein Gericht ohne Fleisch?“

Verkäufer: „Si claro, eso es con pollo!“ (= Ja, dieses hier ist mit Hühnchen!)

Und an dieser Stelle war das Gespräch dann auch schon beendet. Hühnchen, das allerliebste Lieblingsgericht der Panamesen, muss ja nicht unbedingt als Fleisch angesehen werden. Alles eine Frage der Interpretation!

Fazit: ich habe es überlebt und es ist gewissermaßen auch meine eigene Schuld, dass ich mich der Esskultur in anderen Ländern nicht vollständig öffne. Ich hatte aber viele, viele leckere Portionen Reis mit Bohnen und zur Not gab es den Supermarkt – man überlebt es.

Mehr oder weniger delikate Meeresfrüchte in einer Fischhalle in Casco Viejo, Panama City

Solamente hablo español

Sätze wie diese – Ich spreche nur Spanisch – haben wir auch das eine oder andere Mal gehört. Tatsächlich war ich sehr überrascht von der Tatsache, wie wichtig Spanisch in Panama ist, ich hatte aufgrund des wachsenden Tourismus geglaubt, mit Englisch würde man gut durchkommen. Es ist aber nunmal so, dass Panama umgeben von spanischsprachigen Ländern ist. Lateinamerika ist so groß, dass es viele Menschen dort nie verlassen, auch wenn sie viel reisen. Dementsprechend wird auf die Fremdsprachenausbildung deutlich weniger Wert gelegt als etwa in Deutschland.

Als schockierend empfand ich vor allem, dass viele Panamesen nicht einmal die absoluten Basics wie Begrüßungsformeln, Zahlen von 1-10 oder einfach gestellte Fragen nach dem Weg beherrschten, beziehungsweise es sich in den seltensten Fällen zutrauten, es zu versuchen.

Offizielle Touristenverbände wie https://hellotravelpanama.com/
sind davon ausgenommen. Die Guides von Hello Travel Panama beherrschen die englische Sprache sehr gut und generell sind Touren mit diesem Verband sehr empfehlenswert.

Ich habe auf dieser Reise so viel Spanisch gesprochen wie in fünf Jahren Spanischunterricht nicht, und mich innerhalb kurzer Zeit extrem verbessert. Ich kann jetzt einfache wie komplexe Konversationen führen – sehr viel sicherer und entspannter als davor. Zum ersten Mal hat mir die spanische Sprache richtig Spaß gemacht und ich habe jede Gelegenheit genutzt und genossen, zu sprechen. Von perfektem Spanisch ist es muy muy lejo, also weit entfernt, aber es war eine schöne Erfahrung und hat mir gezeigt, dass ich vielleicht doch alle Sprachen liebe und nur vom Schulunterricht voreingenommen war.

Mein Fazit zu Panama

Als Jan und ich am 28. Januar 2019 am Flughafen in Tocumen saßen, hatten wir insgesamt sechs verschiedene Orte und Regionen von Panama kennengelernt. Sie alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, aber der nächste Post wird sämtliche Panama Places und die RoadMap beinhalten. Eins kann ich schon sagen: sie sind wunderschön. Und gleichzeitig so unperfekt, voll mit Müll, jenseits von Umweltschutz, geprägt von Armut. Das ist Panama: so gegensätzlich, so unebenmäßig, geographisch wie gesellschaftlich, so einzigartig.

Deswegen lohnt es sich, es zu bereisen. In Kauf zu nehmen, dass die hygienischen, versorgungstechnischen und umweltlichen Standards nicht denen entsprechen, die wir für angemessen halten. Man muss sich durch so manche Dschungel durchschlagen, aber die Aussicht aufs Meer, die darauf folgt, ist unvergleichbar.

Die offizielle Tourismusvermittlung Panamas Visit Panama hat es in ihrer Kampagne auf den Punkt getroffen. Sie formulieren:

Panama – for explorers, not for tourists.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

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Mein Name ist Tabitha Anna und ich bin 22 Jahre alt. Ich komme aus dem Süden von Baden-Württemberg und liebe es, zu lesen, zu schreiben und zu reisen. Seit Oktober 2019 studiere ich deutsche und italienische Sprach- und Literaturwissenschaft in Freiburg im Breisgau.