Meine Lieblingsgeschichte.

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once you start seing something as an adventure, you´re halfway through the storm!

Wer mich kennt, weiß eins genau: ich liebe es, Geschichten zu erzählen, und ich mache es auch die ganze Zeit. Umso mehr freue ich mich, heute eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten zu erzählen, die allerdings etwas länger dauern könnte. Deswegen würde ich sagen: ich fange sofort an.

Alles begann mit einem Schreibwettbewerb der Jugendliteraturwerkstatt Graz im Sommer 2014, bei dem ich 4 Texte eingeschickt habe, ein Beispiel davon findet ihr hier.

Circa ein halbes Jahr nach Einsendeschluss erhielt ich die freudige Nachricht, dass mein Beitrag unter den besten 20 von insgesamt 297 Einsendungen meiner Altersgruppe gelandet ist. Es folgte die Einladung zu einer internationalen Schreibwerkstatt im steirischen Leibnitz bei Graz, Österreich. Ich hatte eine großartige Zeit dort, und möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen. Mehr darüber könnt ihr im verlinkten Text nachlesen.

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Während dieser Woche lernte ich Theresa kennen, eine der wenigen Teilnehmerinnen, die wie ich aus Deutschland angereist sind. Trotz der obligatorischen Sprachbarriere ( mein nicht-verdrängbares Schwäbisch wieder :-D) verstanden wir uns die ganze Zeit sehr gut und haben auch die ersten 9 Stunden der Heimreise zusammen im Zug verbracht. Für Theresa ging es dann leider noch mal 3 Stunden weiter als für mich, da sie in Nordrhein-Westfalen wohnt und ich in Süddeutschland. Unser Abschied war sehr traurig, allgemein dachte ich an diesem Tag, dass ich gerade Menschen umarme, die ich nie mehr wiedersehen werde, eine sehr traurige Vorstellung die ich gerne nie erlebt hätte.

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Am Tag nach meiner Rückkehr aus Österreich wurde ich gefirmt, wodurch viele Verwandte von der Schreibwerkstatt erfahren haben und sich danach erkundigt haben. Von meiner Taufpatin bekam ich zur Firmung ein Notizbuch geschenkt, – sie weiß eben einfach auch, wie man mich am besten glücklich macht 😉

Mein Onkel hatte auch eine Idee: er hat beruflich mit Internetseiten und Onlineblogs zu tun, und hat mir vorgeschlagen, doch selbst einen Blog zu erstellen. Auf ihm, so die Idee, könnte ich meine Kurzgeschichten veröffentlichen, die meine Verwandten sowieso gerne mal lesen würden. Ein Blog- damit konnte ich ehrlich gesagt anfangs überhaupt nichts anfangen. Einfach weil ich noch nie einen gelesen habe und mir nicht vorstellen konnte, wie die große weite Welt sich für meine Gedanken interessieren soll. Aber ich denke mein Onkel wusste damals, was er tut, indem er mir kurzer Hand ein paar Designs geschickt hat, mit der Bitte eins auszuwählen und mir Gedanken über den Namen zu machen. Als Tipp sendete er mir den Link einer „Namensmaschine“ im Internet.

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So ist übrigens auch „SommerTinte“ letztendlich enstanden: zusammengemischt aus den beiden Themenfeldern „Lieblingsdingen“ und „Schreiben“.

Das Notizbuch von meiner Taufpatin wurde zum „Blogbook“, und am  30. juli 2015 um 16:32 Uhr war es soweit: mein allererster Blog ging online!!

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Ich habe also fröhlich drauf los gebloggt, am Anfang wirklich ohne viel Ahnung wohin das Ganze führen soll, das habt ihr sicher gemerkt. Durch das EuropaKonzil, mein Gefühlswirrwarr über die vielen Anschläge und Reisepläne wurde ich schließlich ein bisschen sicherer, was meine verschiedenen Kategorien angeht, und es hat mir immer mehr Spaß gemacht. Aber erst nach meiner China- Reise an Ostern kam ich auf die Idee, mein Blog auch in Facebook zu bewerben, um eventuell mehr Leser zu bekommen. Das hat geklappt: am 04. April ging die Facebook-Seite online und heute hat sie 93 Likes, was vielleicht nicht viel klingt, mir aber sehr viel bedeutet. Ihr findet die Seite links bei der Kategorienauflistung, unter dem Namen „Facebook“und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr die Seite liket. So seid ihr immer auf dem Laufenden wenn ein neuer Post kommt und vielleicht schaffe ich dann bald die 100 Likes 🙂

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Zeitsprung zum 09. April 2016, einem ganz normalen Samstagabend, den ich mit meinen Freundinnen auf der jährlichen, allseits beliebten Shake it  bei uns in der Nähe  verbracht habe. Da ich leider ein ziemlicher Handysuchti bin konnte ich es auch da nicht verhindern, ab und zu darauf zu schauen, und das tat ich auch um circa elf Uhr (zugegeben, diese ganzen Tage und Uhrzeiten musste ich nachschauen, so gut ist mein Gedächtnis nicht 🙂 ) Tija, und dann, mitten auf der Shake it und umringt von tanzenden Leuten habe ich die Nachricht von Marina gelesen. Marina ist ungefähr so alt wie ich, wohnt in Nordrhein-Westfalen und ist durch den Facebook-Like ihrer Großcousine auf meinen Blog gestoßen – diese Großcousine ist Theresa, die ich von Österreich kenne. Wie klein bitte ist die Welt ??? 🙂

Eines der ersten Dinge die Marina auf meinem Blog gelesen hat war mein verzweifelter Post über die Kurswahl. Ihr geht es ähnlich was das Französisch-Abi betrifft und konnte sich gut in meine Lage hineinversetzen. Wer hätte gedacht, dass mich dieses Drama mal noch so glücklich machen wird!!

Wir haben immer weiter geschrieben, erst in Facebook, dann in WhatsApp, und schnell festgestellt wie viele Gemeinsamkeiten wir eigentlich haben. Das ist so verrückt- du kennst jemanden überhaupt nicht, und es fühlt sich trotzdem an als wäre man sich total vertraut und würde sich schon lange kennen. Sprachmemos, Snaps, Nachrichten, das war alles was wir 4 Monate von einander hatten, aber es hat gereicht um zu beschließen: wir müssen uns treffen. Unbedingt.

Sehr, sehr viele Leute haben mich komisch angeschaut, als ich ihnen letzten Montag gesagt habe: „Ach, ich fahre morgen 10 Stunden mit dem Fernbus nach Nordrhein-Westfalen um eine Freundin zu treffen, die ich noch nie live gesehen habe!“ Selbst meinen Eltern war nicht so ganz klar, was der Sinn dahinter ist, aber spätestens nach China wissen sie, dass sie mich sowieso nicht zuhause halten können, und nachdem sie sich sicher waren, dass in Bielefeld kein Serienmörder oder ein 50-jähriger Pädophiler auf mich wartet, ließen sie mich ziehen. Ehrlich gesagt habe ich mich selber eigentlich keine Sekunde gefragt, ob ich eigentlich verrückt geworden bin- obwohl ich vielleicht wirklich Grund dazu gehabt hätte. Das war ich, ganz alleine auf dem Weg ins Niemandsland. 76 Euro für 2 Tage Busfahrt und 1 Tag Ungewissheit, und ich hätte glücklicher nicht sein können. Innerhalb eines Jahres – seit der Zeit in Österreich- habe ich mich so verändert, dass ich es selber kaum glauben kann. Wäre ich nicht nach Graz gefahren, hätte ich keinen Blog erstellt, hätte ich Theresa nicht kennengelernt, die widerum Marina kennt und die durch sie auf meinen Blog aufmerksam geworden ist… Fakt: ich wäre letzten Dienstag nicht mutterseelenalleine in einem Fernbus Richtung Bielefeld gesessen.

Wir glauben viel zu oft, dass uns die dinge, die passieren, nur streifen und vorüberziehen. Die wahrheit ist aber, dass uns alles auf eine gewisse art weiterbringt & trägt….

Zwischenzeitlich gab es im Fernbus echte Dramen. Mein erster Fernbus ging um 6:40 in Tübingen, mein zweiter um 11:15 in Nürnberg. Dort sollte ich ursprünglich um 10:30 ankommen, was eindeutig lange genug gewesen wäre, um umzusteigen. Endergebnis war aber ein Stau auf der Autobahn, aus dem wir auch um 11:15 Uhr noch nicht entkommen sind. Ja super, dachte ich mir nur so, blieb aber relativ entspannt und nutze die Zeit, um weitere 325703 Simulations- Theorieprüfungen zu machen und festzustellen, dass ich definitiv nicht bereit für die Prüfung in 6 Tagen war.

Ich hätte auch durchdrehen können, aber weise wie ich doch geworden bin war mir klar, dass das auch nicht wirklich etwas bringen würde. Das Ende vom Lied war dann, dass der andere Bus in Nürnberg doch tatsächlich 20 Minuten extra auf mich gewartet hat. Der Busfahrer war zwar äußerst schlecht gelaunt, was er mir auch ausreichend gezeigt hat, und ich glaube sämtliche Fahrgäste in dem Bus haben mich gehasst als ich atemlos eingestiegen bin, aber was solls, ich hatte es geschafft, mehr wollte ich gar nicht. Um den eventuell bösen Blicken auszuweichen habe ich direkt die letzte Reihe angesteuert, was eine gute Entscheidung war, denn ich konnte mich 7 Stunden ausbreiten, mein Handy laden und das WLAN für YouTube-Videos nutzen.

Das gute am alleine reisen- man muss mit keinem reden

Trotzdem war ich natürlich sehr erleichtert, als ich endlich in Bielefeld angekommen bin, wo Marina praktisch schon auf mich gewartet hat. Natürlich war ich ziemlich aufgeregt sie zu sehen, aber ab dem ersten Moment war alles so entspannt und lustig, dass ich mir schnell keine Gedanken mehr gemacht habe. Ich bekam eine exklusive, sehr informative Stadtführung durch Bielefeld ( durch das Autofenster halt) und stellte sofort fest, dass es wirklich große Unterschiede zwischen Süd- und Norddeutschland gibt, was die Landschaft angeht. NRW ist aber wunderschön, mit den vielen flachen Wiesen, Feldern und Backsteinhäusern. Ich bin mega gespannt ob Marina auch ein Unterschied auffällt, wenn sie mich besucht, was hoffentlich sehr bald der Fall ist 🙂

Bei Marina angekommen haben wir zu Abend gegessen ( Spätzle mit Spiegelei und Ketchup- Abendessen deluxe kreiert von uns 🙂 )Olympia geschaut und ganz viel geredet. Es ist so krass wie viele Gemeinsamkeiten wir einfach haben und wie oft wir den selben Gedanken hatten, den dann eine von uns ausgesprochen hat. Und Marina hat mir ein Notizbuch geschenkt, weil sie in einem meiner Blogposts gelesen hat dass ich mich über sowas freue. Und wie ich mich gefreut habe!!

 

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Am nächsten Tag- Mittwoch- haben wir erstmal ausgeschlafen (Volleyball kam nämlich erst nachts um halb eins 😉 ) und anschließend Theresa begrüßt, die zum Frühstück gekommen ist und auch gleich was zum Essen mitgebracht hat. Ich habe mich sehr gefreut sie wiederzusehen, und wir hatten uns einiges zu erzählen. Leider konnten wir zeitbedingt dieses Jahr an keiner einzigen Schreibzeit teilnehmen, aber das ändert sich nächstes Jahr hoffentlich wieder. Nach einem ausgiebigen Frühstück und diversen Klavierkonzerten ( wir spielen nämlich alle 3) haben wir uns dann auf den Weg ins Naturzentrum von Bad Salzuflen gemacht, ausgestattet mit Marinas Canon Eos 1100. Die habe ich am Abend davor bei ihr gesehen und war sofort soo begeistert. Aber die gute Nachricht ist, dass ich nach stundenlanger Internetsuche auch eine für mich perfekte und bezahlbare Kamera gefunden habe, ab dem 3. Oktober gehört sie mir und dann sind schlechte Bilder ( und vor allem Videos :-D) auf diesem Blog endlich Geschichte 🙂

Hier seht ihr ein paar Bilder von diesem Tag. Wir hatten mega viel Spaß im Naturzentrum und die Fotos werden mich daran immer erinnern 🙂

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Am Schönsten, da waren wir uns alle einig, sind die Bilder von uns 3 zusammen, die eine Fotografin, die zufällig da war, von uns gemacht hat.

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Nach dem Fotoshooting haben wir die Bilder ausgewählt und eine sehr leckere Schokotorte genossen, bevor es los ging zu einem Fußballspiel von Marinas Freunden. Auf dem Weg dorthin wurde mein überaus großes Talent zum Inliner-Fahren deutlich, was mir immer noch peinlich ist, aber gut, Löcher in Hosen kann man ja bekanntlich nähen 😉

Wir waren noch bei Theresa bis es dunkel wurde, dann fuhren Marina und ich heim. Der Tag ging viel zu schnell vorbei, und ich versuchte die ganze Zeit zu verdrängen, dass es am nächsten Tag schon wieder zurück gehen sollte. Wobei, Tag war übertrieben, Marina und ich hatten gefühlt gerade erst die Augen zugemacht da war es auch schon vier Uhr morgens und wir mussten los zum Busbahnhof nach Bielefeld. Mein Fernbus fuhr um 5 Uhr morgens, als noch nicht mal die Sonne aufgegangen ist, und der Abschied war alles andere als schön. Klar gibt es WhatsApp und Snapchat und Facebook, aber uns trennen einfach mal 10 Stunden Fahrt, und das ist so deprimierend. Nachdem ich die letzten eineinhalb Tage mit ihr verbracht habe, war es im Fernbus richtig komisch, niemanden mehr zu haben, mit dem man über alles mögliche und alle wichtigen Dinge im Leben reden kann. Diesmal habe ich mich nicht mehr so selbstständig und erwachsen gefühlt, sondern einfach mega einsam 😀

Das schlechte am alleine reisen- man kann mit keinem reden

Immerhin blieben die Zitterpartien diesmal aus. Mein erster Fernbus kam pünktlich in Dortmund an und ich hatte eineinhalb wunderbar entspannte Stunden in dieser Stadt, die ich davor noch nie besucht habe.

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Nach Dortmund wurde dann aber alles relativ schnell deprimierend und unerträglich. Heiß, langweilig, unbequem, leise, laut…ich bin fast durchgedreht und war gottfroh, als ich in Tübingen nur noch in ein Auto einsteigen musste, dass mich direkt heim gefahren hat. Danke an den Retter mit dem Auto 😛

Das mag ich so an Hinfahrten, dass aus ihrem Ende immer ein Abenteuer hervorgeht. Heimfahrten sind auf eine gewisse Art bedrückend. Du weißt genau, was dich erwartet, wie es weitergeht, wo du morgen aufwachst. Spätestens seit diesem Sommer mag ich das nicht mehr. Ich bin abenteuerlustig geworden, was nicht bedeutet, dass ich jetzt Klippenspringen oder Berge bestürmen will, in keinster Weise sogar, denn was Höhen angeht bin ich immer noch ein Feigling.

Abenteuer ist ein gefühl, das man in den unterschiedlichsten Situationen erfahren kann. Der moment, in dem eine herausforderung für dich zum abenteuer wird, ist der, in dem du sie gemeistert hast. Denn wenn du abenteuerlustig bist, hast du eine energie, von der andere nur träumen können. Mit abenteuerlsut steigst du immer noch den selben berg nach oben, aber vor lauter spaß DARAN VERGISST DU DIE ANSTRENGUNG.

Bad Salzuflen war vielleicht nicht das längste und am weitesten von meiner Wohlfühlzone entfernteste Abenteuer, aber definitiv eines der Schönsten. Ich habe eine neue Freundin, die in vielen Dingen gleich ist wie ich, die die Gedanken aus meinem Kopf ausspricht und deren Lebensfreude so ansteckend ist, dass niemand davor sicher ist.

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Dass wir uns kennengelernt haben habe ich meinem Blog zu verdanken, und du und diese Geschichte motivieren mich täglich, ganz viel Mühe in diesen Blog zu stecken und ihn besser zu machen. Ich hoffe sehr auf ein Wiedersehen, aber ich denke da muss ich mir keine Sorgen machen, denn unsere Abenteuerlust ist unstillbar und wir werden noch

viel zusammen erleben.

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Übrigens haben wir auch sehr viel Zeit damit verbracht, zusammen die Theorie für den Führerschein zu lernen, und das hat definitiv was gebracht. Heute habe ich mit 0 Fehlerpunkten meine theoretische Prüfung bestanden und auch Marina hat letzte Woche erfolgreich ihre Prüfung abgelegt. Ich würde mal sagen, wir habens einfach drauf!! 😀

Ich bin so happy mit dieser Erfahrung, mit allem was gerade so passiert und mit dem Leben im Allgemeinen. Deswegen, und weil ich auch endlich ein bisschen mehr Zeit habe, kommen in den nächsten Tagen wieder mehr Posts. Denn wenn ich diesen Blog nie eröffnet hätte…das wisst ihr ja jetzt 🙂

Liebe Grüße an euch alle da draußen, genießt den Sommer und bis bald!

Mein Name ist Tabitha Anna und ich bin 22 Jahre alt. Ich komme aus dem Süden von Baden-Württemberg und liebe es, zu lesen, zu schreiben und zu reisen. Seit Oktober 2019 studiere ich deutsche und italienische Sprach- und Literaturwissenschaft in Freiburg im Breisgau.