Mein Leben in 1371 Wörtern #1

Kategorien Tagebuch

Mein armer Laptop. Geschlagene 5 Minuten musste er gerade warten, bis ich endlich wusste, wie ich diesen Blogpost nennen soll. So viele Überlegungen, Pläne und Themen sind mir durch den Kopf geschwirrt, wäre ich scheinheilig diverse Induktionsfelder aufgemalt und so getan habe, als hätte ich sie auch verstanden. Und wenn wir schon bei Induktion sind – das gehört in diesen Mischmasch-Blogpost auch rein, aber ich schätze es ist besser wenn ich erst mal von vorne anfange. Hier ist er also: mein erster „Mein Leben in 1371 Wörtern“-Post.

Mein Wochenende war meeeega cool. Ihr glaubt ja gar nicht wie ich sie erwartet habe, die Zeit in denen endlich wieder jedes Wochenende Elfmeterturniere stattfinden. Ich will ja nicht sagen dass das Fußballspielen dabei längst in den Hintergrund gerückt ist, aber doch- irgendwie schon. Viel wichtiger ist irgendwie, dass alle da sind und zusammen gefeiert wird – egal ob jetzt Sieg oder Niederlage. Das erste Elferturnier 2016 war vor allem eins: die Schlammparty des Jahrhunderts 🙂 Meine Freundinnen und ich gehörten natürlich zu den Feiglingen, die nicht mitgemacht haben und lediglich zum Zusehen gekommen sind, aber es war trotzdem eine der schönsten Nächte des Jahres mit vielen vielen Gesprächen und Erinnerungen. Ein perfektes erstes Elfer einfach!

Wenn die Elfer wieder anfangen bedeutet das aber immer auch, dass sich das Schuljahr langsam dem Ende zuneigt, und bevor ich das kalendertechnisch realisiert habe, stellt sich meine innere Uhr zuverlässig darauf ein – meistens schon so circa 5 Wochen vor Ferienbeginn. Was leider zur Folge hat, dass meine Motivation in einer hohen Geschwindigkeit gegen den Nullpunkt geht. Ist sie an diesem tristen, sumpfigen Ort erstmal angekommen, gibt es so schnell kein Zurück mehr. Meistens geht es ungefähr sechs Wochen, bis sie sich wieder zeigt- 6 Wochen Sommerferien. Deswegen fällt es mir gerade echt schwer, mich für die letzten Klassenarbeiten zum Lernen zu motivieren. Wie sehr das bei Mathe und Chemie geklappt hat, habt ihr am Freitag ja gelesen 😀 Morgen schreibe ich dann noch die allerallerletzte Physik-KA meines Lebens, und tausend Worte können nicht beschreiben wie glücklich mich das macht. Noch glücklicher wäre ich vermutlich, wenn ich wenigstens ein bisschen Ahnung von Induktion, Lorentzkraft und Co hätte, dann würde nämlich die geringe Chance bestehen, mein absolutes Hassfach mit einer 2 abzuwählen. Sollte das Wunder, morgen früh im Körper eines Physik-Genies zu erwachen, wider meiner optimistischen Erwartung nicht eintreten, sage ich mir einfach, dass dann immerhin jeder der mein Abizeugnis sieht sofort weiß, dass es eine gute Entscheidung war, Physik in der Kursstufe nicht zu machen 😀

Apropos Kursstufe. Vor ein paar Monaten habe ich mal den Blogpost Der Himmel ist blau- Kurswahl für die Oberstufe veröffentlicht, um euch ein bisschen an meinem Oberstufenchaos teilhaben zu lassen. Ich hätte aber nie gedacht, dass das so viele von euch interessiert, und dass ihr versteht, wie schlimm das für mich ist. Letztendlich ist es ja doch nur eine Entscheidung für zwei lächerliche Schuljahre – aber ich bin so oft darauf angesprochen und danach gefragt worden, dass ich euch jetzt vielleicht doch mal auf den neusten Stand setzen will. Mein Traumfach Französisch ist leider endgültig an zu geringer Interesse gescheitert. Mit 3 Leuten kommt kein Kurs der Welt zustande, alors c´est la vie. Licht ins Dunkle brachte aber ein Lehrer unserer Schule, der momentan die DELF B1 – AG leitet. DELF ist ein international anerkanntes Sprachzertifikat der Sprache Französisch, und wie die meisten von euch wissen muss ich nur noch die mündliche Prüfung  nächste Woche überstehen, bis ich mein B1- Diplom in den Händen halte. Dieser Lehrer bietet jetzt an, mit uns in der Oberstufe die Prüfung zum Niveau B2 durchzuführen. Dieses Niveau ist gleichzusetzten mit einem Abitur im Fach Französisch – und damit genau das, was mir wegen der Kurswahl verwehrt geblieben wäre. So hätte ich also doch noch mein Franz-Abi – und verlerne dank den wöchentlichen Prüfungsvorbereitungen hoffentlich nicht ganz so schnell den Sprachgebrauch. Vierstündig habe ich Französisch durch Spanisch ersetzt. Irgendwie habe ich in den letzten Wochen wieder meinen Frieden mit der Sprache geschlossen und freue mich jetzt eigentlich auf den Unterricht in der Kursstufe. Und was mich mega mega glücklich macht: aller Voraussicht nach kommt Geschichte 4stündig nach Jahren des Scheiterns tatsächlich zusammen – und das in unserer Chaos-Stufe! Jedes Mal, wenn der Oberstufendirektor wegen irgendetwas Organisatorischem im Klassenzimmer erschienen ist, haben mein bester Freund und ich uns angstvoll angesehen und eigentlich nur auf den Satz gewartet: Geschichte kommt leider nicht zusammen. Aber das ist nicht passiert und wir werden bestimmt der coolste 10-köpfige Geschichtekurs der Welt.

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Am Dienstag hat sich dann noch etwas aus meiner Sicht sehr Trauriges ereignet: die letzte Franz-KA meines Lebens. Während sämtliche Leute aus meiner Klasse mit einem Jubelschrei ihr Heft aufs Lehrerpult gepfeffert haben und den Raum gar nicht schnell genug verlassen konnten, war ich wirklich sentimental und melancholisch. Au revoir, mon Amour, j´espére que je ne vais pas jamais t´oublier. Zur Feier des Tages (aus der Sicht meiner Freunde) wurde abends eine feierliche Lagerfeuer-Zeremonie im Garten meiner Cousine veranstaltet.(Naja, nachdem wir circa eine Stunde gebraucht haben, um das Feuer überhaupt anzubekommen aber muss ja niemand wissen) Die feierliche Lagerfeuer-Zeremonie bestand darin, dass die anderen ihre Franz-KAs der letzten 5 Jahre ins Feuer geworfen und genüsslich beim Verbrennen beobachtet haben. Die Papiere brannten übrigens vorzüglich – unser Essen haben wir dann aber doch auf dem Grasgrill zubereitet. Und ihr wollt nicht wissen, wie sich Gymnasiasten dabei anstellen, einen Gasgrill zu betätigen. Wir wissen vielleicht die Summenformel und diverse Reaktionsgleichungen von Propan,- aber nicht wie man es anwendet 😀 Wir waren ungefähr zu elft, deswegen ging es dezent lange, bis wir endlich alle satt vor dem Fernseher saßen, um das letzte deutsche Gruppenspiel anzuschauen. Alles schön und gut, hätte der Fernseher nicht dermaßen gespackt.

Und als Gomez und Co sich gerade wieder mal gefährlich nahe aufs nordirische Tor zu bewegt haben, machte es plötzlich zuuurrr und der Fernseher ging aus. Wir schauten uns alle einen Moment lang irritiert an, und dann griff mein bester Freund nach dem Handy, checkte den LIVETICKER und sagte: „Leute, Deutschland führt 1:0!“ Und wir alle so „Hahaha witzig witzig.“  Tja, und dann ging der Fernseher auf wundersame Weise wieder an und präsentierte uns gerade noch so die Zeitlupe-Wiederholung von Gomez´ Tor in der 29. Minute. So haben wir an diesem Abend also kein Tor live gesehen, aber die Hauptsache ist, dass Deutschland gewonnen hat und das Achtelfinale sicher ist. Ich freue mich schon darauf 😛

Die Nacht war ziemlich kurz, wie immer wenn meine besten Freundinnen und ich zusammen übernachten, und weil wir einfach nie was Besseres zu tun haben, sind wir am nächsten Morgen kurzer Hand zur Schule gelaufen, zusammen mit den Jungs. Die Schüler die auf den Bus gewartet haben haben uns jedenfalls ziemlich irritiert angeschaut, aber ich bin eigentlich stolz darauf dass wir den kleinen netten dreiviertelstündigen Spaziergang diesmal ohne diverse Baustellenschilder und Palmen hinter uns gebracht haben. You know what I mean 😛

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Unglücklicher Weise verschätzten wir uns etwas und kamen eine Viertelstunde nach Schulstart an. Glücklicher Weise hatten die Abiturienten aber auch andere Pläne als zur Schule zu gehen, es war nämlich Abistreich und so interessierte es keinen Menschen, wann wir aufkreuzten. Wir hatten noch nie so einen lustigen, chilligen und nassen Schultag, und auch wenn es irgendwie komisch zu wissen ist, dass die Abiturienten jetzt weg sind und nie wieder mit uns in der Aula sitzen werden, ich freue mich so für sie – und noch mehr auf den Moment, wenn wir in zwei Jahren auch da oben auf dem Dach stehen – ich kann es kaum erwarten und laut den Abiturienten geht es ab der 11. Klasse auch total schnell.

Noch zwei Tage, dann ist schon wieder Wochenende, und nächste Woche geht es eeendlich nach Berlin. Ich bin gefangen zwischen Wehmut und Vorfreude, Zukunft, Vergangenheit, in mir trifft alles aufeinander und wird zu einem Mischmasch an Gefühlen, der hier vermutlich auch deutlich geworden ist. Keine Ahnung, inwiefern es euch interessiert hat, aber mir hat es geholfen, ein bisschen Überblick zu gewinnen.

Fakt ist, kaum ist es wärmer geworden hat mein Sommer schon so richtig Fahrt aufgenommen, und egal was noch kommt, das wird eine ganz spezielle Geschichte werden.

Hier noch mein Leben in 1371 Bildern – naja nicht ganz. 😉

Mein Name ist Tabitha Anna und ich bin 22 Jahre alt. Ich komme aus dem Süden von Baden-Württemberg und liebe es, zu lesen, zu schreiben und zu reisen. Seit Oktober 2019 studiere ich deutsche und italienische Sprach- und Literaturwissenschaft in Freiburg im Breisgau.