Für immer in Erinnerung?

Kategorien Gedanken

„Und dann schaust du zurück, auf das was wirklich bleibt, wir haben nicht unendlich viel Zeit, sag mir was wirklich bleibt

– ich will mich an dich erinnern.“

Christina Stürmer

 

Mit diesem Lied hat Christina Stürmer mich echt nachdenklich gemacht. Dieser letzte Satz ist so viel mehr ein Wunsch, als ein Vorhaben, mehr Bitte als Plan. Nicht: ich werde mich an dich erinnern, sondern ich will es tun. Egal wie sehr wir uns es auch vornehmen, niemand kann uns garantieren, dass wir am Ende unseres Lebens tatsächlich noch an Menschen denken, die wir vor Jahren mal kennengelernt haben.

Oft hören gerade wir als junge Leute von Erwachsenen, dass die Freunde, die wir jetzt haben, nicht unbedingt bleiben, weil wir ja auch immer noch zum Studieren gehen, oder wegziehen, oder durch unseren Partner einen neuen Freundeskreis zu bekommen. Und wenn ich so an unsere Stufe denke, weiß ich zwar, dass wir uns alle richtig gut verstehen und dass ich in den letzten 5 Jahren ein paar tolle Leute, auch aus meiner Paraklasse, kennengelernt habe, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich manche von ihnen nach dem Abi nicht mehr wieder sehen werde, und dadurch zwangsläufig auch vergessen werde. Egal wie gut wir uns auf Stufenfahrten auch verstanden haben.

Das Leben ist eine einzige Veränderung an sich, Leute kommen und gehen unaufhörlich, und irgendwo ist das ja auch richtig so. Wenn jeder Mensch, den ich irgendwann mal kennengelernt habe und nett fand bis heute in meinem Leben geblieben wäre, dann hätte ich längst keinen Platz mehr für gar nichts, da wäre praktisch keine Chance mehr, jemand Neues auch nur anzusehen. Ganz sicher werde ich mich, wenn ich 80 bin und in meinem Lehnstuhl sitze, nicht mehr an alle erinnern können, die ich einmal meine Freunde nannte, und auch wenn das so  traurig klingt wie es vermutlich auch ist, so ist das wohl im Leben.

Aber dann sind da auch wieder diese Menschen, an die will ich mich einfach um jeden Preis erinnern- für den Rest meines Lebens, egal wie lang das noch sein wird. Vielleicht schreibe ich deswegen so viel Tagebuch? Kann sein, dass das ein Grund ist. Ich bin kein Fotograf, der Menschen in ihrer vollen Natürlichkeit einfangen kann, auch kein Künstler, der nichts als einen Bleistift und Papier braucht, um alles, was einen Menschen ausmacht, festzuhalten. Ich bin nur ein Mädchen, das umgeben von anderen Menschen versucht, alles irgendwie für die Zukunft zu fixieren, mit Tagebuch und Füller, einem Ohrwurm von Was wirklich bleibt  und dem Wunsch, dass manche Freundschaften eben doch für immer bleiben, oder zumindest die Erinnerung an diese Freundschaft, die mich einst so glücklich gemacht haben.

Das hoffe ich wirklich.

Mein Name ist Tabitha Anna und ich bin 22 Jahre alt. Ich komme aus dem Süden von Baden-Württemberg und liebe es, zu lesen, zu schreiben und zu reisen. Seit Oktober 2019 studiere ich deutsche und italienische Sprach- und Literaturwissenschaft in Freiburg im Breisgau.